Mensch und Organisation in Resonanz - Warum die Zukunft der Personalarbeit in der Beziehung dieser beiden liegt
Die HRM-Experts Group ist ein Zusammenschluss von Unternehmer*innen, die für oberösterreichische Firmen beratend durch ihre unterschiedlichen Schwerpunkte im Bereich Führungs- und Personalentwicklung tätig sind.
Jeden Monat stellen wir ein herausragendes Mitglied der HRM-Experts Group vor.
Der Unternehmensberater des Monats September ist Dr. Bernhard Winkler, MBA CMC, der Sie über ein Thema informiert, das in jedem Unternehmen eine zentrale Rolle spielt.
Diese Wechselwirkung ist nicht neu. Neu ist jedoch die Bedeutung, die sie in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt erhält. Menschen haben heute mehr Wahlmöglichkeiten als jemals zuvor. Sie entscheiden sich nicht nur für einen Job, sondern für eine bestimmte Form der Zusammenarbeit.
Dabei rücken Fragen in den Mittelpunkt, die lange unterschätzt wurden:
- Was erwartet ein Mensch von einer Organisation?
- Was erwartet die Organisation, das Unternehmen von diesem (potenziellen) Mitarbeitenden?
- Passen diese Erwartungen überhaupt zusammen?
Genau hier entsteht Resonanz oder Dissonanz.
Erwartungsklärung als zentrale Herausforderung
Viele Konflikte, Enttäuschungen und Fluktuationen entstehen nicht durch mangelnde Leistung oder fehlende Kompetenzen. Sie entstehen, weil Erwartungen nie explizit ausgesprochen wurden.
Die Organisation erwartet Eigenverantwortung, der Mitarbeitende sucht klare Orientierung. Der Mitarbeitende wünscht sich Gestaltungsspielraum, die Organisation benötigt standardisierte Prozesse. Beide Seiten handeln nachvollziehbar, sprechen jedoch über unterschiedliche Vorstellungen von Zusammenarbeit.
Resonanz entsteht dort, wo diese Erwartungen sichtbar, besprechbar und gestaltbar werden. Dissonanz entsteht dort, wo sie dauerhaft auseinanderlaufen. Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, es geht um Passung.
Warum Generationenmodelle oft zu kurz greifen
Lange Zeit wurden Unterschiede der Mitarbeitenden bzw. des Arbeitskräftepotenzials vor allem über Generationen erklärt. Doch Menschen unterscheiden sich heute weniger durch ihr Geburtsjahr als durch ihre aktuelle Lebenssituation, ihre Werte und die Beziehung, die sie zu einer Organisation eingehen möchten.
Ein Mensch kann in einer Lebensphase Sicherheit und Stabilität suchen, einige Jahre später mehr Freiheit und Flexibilität benötigen und zu einem anderen Zeitpunkt wieder verstärkt nach Sinn und Gestaltungsmöglichkeiten streben. Diese Dynamik lässt sich nicht über Generationen erklären, wohl aber über unterschiedliche Beziehungsmuster zwischen Menschen und Organisation.
Resonanz als Leitgedanke im Employee Lifecycle
Genau hier setzt das neue MOTIV- Resonanzmodell an. Es versteht Menschen nicht als starre Persönlichkeitstypen, sondern betrachtet die Beziehung zwischen Menschen und Organisation. Im Zentrum stehen zwei Fragen:
- Was erwartet der Mensch von der Organisation?
- Was kann die Organisation vom Menschen erwarten?
Der Nutzen dieses Zugangs zeigt sich entlang des gesamten Employee Lifecycles:
- Employer Branding & Recruiting:
Nicht jede Botschaft spricht dieselben Menschen an. Entscheidend ist ein ehrlicher Erwartungsabgleich statt der Suche nach dem perfekten Lebenslauf. - Onboarding:
Der Start in einer Organisation prägt die spätere Beziehung. Wer Erwartungen früh klärt und passende Rahmenbedingungen schafft, legt den Grundstein für langfristige Resonanz. - Führung:
Unterschiedliche Menschen benötigen unterschiedliche Formen von Orientierung, Freiraum und Unterstützung. Führung wird damit zur Aufgabe, verschiedene Erwartungshaltungen zu übersetzen und in Einklang zu bringen. - Entwicklung & Verweildauer im Unternehmen:
Menschen bleiben dort, wo sie ihre Erwartungen erfüllt sehen und Entwicklung in einer Form erleben können, die zu ihrer Lebensphase passt. - Offboarding:
Auch das Ende eines Beschäftigungsverhältnisses ist Teil der Beziehung. Resonanzorientierte Organisationen verstehen Offboarding nicht als Abbruch, sondern als mögliche Weiterentwicklung der Zusammenarbeit.
Fazit
Die zentrale Frage moderner Personalarbeit lautet nicht mehr:
Wie motivieren wir möglichst alle Menschen gleich? Viel wichtiger ist: Welche Form der Zusammenarbeit passt für Mensch und Organisation?
Wer Erwartungen früh klärt und Beziehungen bewusst gestaltet, schafft die Grundlage für nachhaltige Zusammenarbeit. Denn Unternehmen und Organisationen sind nicht durch eine Ansammlung der „besten Mitarbeitenden“ langfristig erfolgreich. Erfolg und Nachhaltigkeit entstehen dort, wo Menschen und Organisationen einander positiv prägen und in Resonanz miteinander treten.
Sie möchten mehr über diesen zukunftsorientierten Ansatz in Personal- und Unternehmensentwicklung erfahren?
Dann freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme: bernhard.winkler@trescon.at