Diversity Management als Schlüssel für eine zukunftsfähige Arbeitswelt
Die HRM-Experts Group ist ein Zusammenschluss von Unternehmer*innen, die oberösterreichische Firmen in Führungs- und Personalentwicklung begleiten. Jeden Monat stellen wir ein Mitglied dieser Expertengruppe vor. Die Unternehmensberaterin des Monats Jänner ist Mag. Sneja Lemmerer – und sie widmet sich einem Thema, das aktuell viele Unternehmen beschäftigt.
Internationale Projektarbeit, virtuelle Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg und kulturell vielfältige Belegschaften prägen moderne Unternehmen. Diese Entwicklung eröffnet neue Chancen, stellt Organisationen jedoch zugleich vor neue Herausforderungen. Besonders dort, wo unterschiedliche kulturelle Prägungen aufeinandertreffen, entstehen Missverständnisse, die die Zusammenarbeit beeinträchtigen können.
Diversity Management gewinnt in diesem Kontext eine zentrale Bedeutung. Es geht dabei nicht allein um die Anerkennung von Vielfalt als gesellschaftliches Ideal, sondern um die bewusste und systematische Gestaltung kultureller Unterschiede in Zusammenarbeit, Entscheidungsprozessen und Organisationskultur. Ziel ist es, Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv als Ressource zu nutzen.
Wenn Vielfalt auf den Arbeitsalltag trifft
In der Praxis zeigt sich, dass Herausforderungen in multiethnischen Teams nur selten fachlicher Natur sind. Konflikte entstehen vielmehr dort, wo unterschiedliche Kommunikationsstile, Erwartungen an Führung oder Vorstellungen von Zusammenarbeit aufeinandertreffen. Was in einem kulturellen Kontext als effizient, direkt oder lösungsorientiert gilt, kann in einem anderen als unangemessen, zu konfrontativ oder wenig wertschätzend wahrgenommen werden.
Diese Spannungsfelder sind kein Ausdruck mangelnder Kompetenz oder fehlenden Engagements, sondern Ergebnis unterschiedlicher kultureller Sozialisationen. Gerade deshalb ist es entscheidend, interkulturelle Zusammenarbeit nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gezielt zu reflektieren und zu gestalten. Ein wirksames Diversity Management schafft Räume, in denen Unterschiede benannt werden können, ohne sie zu bewerten, und unterstützt Teams dabei, gemeinsame Arbeitsweisen zu entwickeln.
Interkulturelle Sensibilität als Lernprozess
Die Forschung zur interkulturellen Zusammenarbeit zeigt, dass der konstruktive Umgang mit kultureller Vielfalt als Lern- und Entwicklungsprozess zu verstehen ist. Menschen neigen dazu, kulturelle Unterschiede zunächst aus der eigenen Perspektive zu interpretieren. Erst durch bewusste Reflexion und Erfahrung gelingt es, andere Sichtweisen als gleichwertig anzuerkennen und das eigene Verhalten situativ anzupassen.
Milton J. Bennett beschreibt diesen Prozess im Developmental Model of Intercultural Sensitivity (DMIS) als Entwicklung von ethnozentrischen zu ethnorelativistischen Orientierungen (Bennett, 2011). Interkulturelle Sensibilität entsteht demnach nicht durch einmalige Trainingsmaßnahmen, sondern durch kontinuierliches Lernen, Dialog und praktische Erfahrung im Arbeitsalltag. Für Organisationen bedeutet dies, dass Diversity Management eng mit Personal- und Organisationsentwicklung verbunden ist.
Praxisbeispiel: Internationale Zusammenarbeit in einem multikulturellen Team
Ein international zusammengesetztes Projektteam arbeitet gemeinsam an der Entwicklung einer digitalen Lösung. Die Teammitglieder stammen aus Österreich, Türkei, Spanien und Rumänien und arbeiten überwiegend virtuell zusammen.
Trotz hoher fachlicher Kompetenz kommt es im Projektverlauf zu Missverständnissen, Verzögerungen und wachsender Frustration. Die österreichischen Teammitglieder legen großen Wert auf klare Strukturen, Verbindlichkeit und sachlich-direkte Kommunikation. Die türkischen Kolleg:innen erwarten stärker beziehungsorientierte Abstimmungen und empfinden sehr direktes Feedback teilweise als wenig wertschätzend. Die spanischen Teammitglieder bringen Entscheidungen gerne im Dialog voran und interpretieren Zeitvorgaben flexibler, während die rumänischen Teammitglieder sehr lösungsorientiert arbeiten, jedoch bei unklaren Zuständigkeiten eher formale Entscheidungen der Projektleitung abwarten.
In einem moderierten Reflexionsprozess wird deutlich, dass die Herausforderungen weniger auf fachliche Aspekte zurückzuführen sind, sondern auf unterschiedliche kulturell geprägte Erwartungen an Kommunikation, Führung und Entscheidungsfindung. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Unterschieden und die Entwicklung gemeinsamer Teamvereinbarungen verbessert sich die Zusammenarbeit deutlich. Vertrauen wächst, Prozesse werden klarer und kulturelle Vielfalt wird zunehmend als Ressource wahrgenommen
Diversity Management zwischen Haltung, Struktur und Kompetenz
Diversity Management entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn individuelle Haltung, organisationale Strukturen und interkulturelle Kompetenzen zusammenspielen. Neben formalen Rahmenbedingungen braucht es vor allem die Entwicklung persönlicher Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Ambiguitätstoleranz. Führungskräfte nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, da sie den Umgang mit Unterschiedlichkeit prägen und psychologische Sicherheit im Team ermöglichen.
Diversity Management ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für eine zukunftsfähige Arbeitswelt. In einer Zeit zunehmender globaler Vernetzung wird die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede konstruktiv zu reflektieren und produktiv zu nutzen, zu einer entscheidenden Zukunftskompetenz. Organisationen, die Vielfalt systematisch mit Lernen, Führung und Organisationsentwicklung verbinden, schaffen die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Unterstützung für wirksames Diversity Management
Diversity Management entfaltet dann seine Wirkung, wenn kulturelle Unterschiede nicht dem Zufall überlassen werden, sondern bewusst reflektiert und in gemeinsame Arbeitsweisen übersetzt werden. Gerade in multiethnischen Teams helfen externe Expert:innen, typische Missverständnisse in Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit sichtbar zu machen, Moderationsräume zu schaffen und praxistaugliche Teamvereinbarungen zu entwickeln.
Wenn Sie Diversity Management in Ihrer Organisation strategisch und nachhaltig verankern möchten, unterstützen wir Sie gerne – von der Analyse über Workshops bis zur begleitenden Prozessmoderation. Mehr Informationen finden Sie unter ACCONEX.
Eine gute Gelegenheit, die Expertin persönlich kennenzulernen, bietet das nächste Business Frühstück „Diversity als Erfolgsfaktor: Strategien für internationale Teams“
am 05.02.2026 in der WKO Oberösterreich. Dort stehen die HRM Experts für einen direkten Austausch zur Verfügung.
Verfasserin: Sneja Lemmerer
Literatur (APA)
Bennett, M. J. (2011).
Toward ethnorelativism: A developmental model of intercultural sensitivity. In R.