Worte wirken - Warum Gespräche nicht gelingen
Die HRM-Experts Group ist ein Zusammenschluss von Unternehmer*innen, die oberösterreichische Firmen in Führungs- und Personalthemen begleiten. Jeden Monat stellen wir ein Mitglied dieser Expertengruppe vor.
Die Unternehmensberaterin des Monats Juli ist Frau Martina Bachmaier – ihr Schwerpunkt liegt bei Kommunikation und sie unterstützt Führungskräfte und Teams in der Entwicklung.
Wir erklären, begründen, argumentieren – und haben am Ende das Gefühl: Ich komme einfach nicht durch. Statt Verständnis entsteht Widerstand. Statt Klarheit: Abwehr.
„So eine schwierige Mitarbeiterin. Die blockt bei jedem Gespräch. Sie will sich einfach nicht weiterentwickeln.“ Ein vertrauter Gedanke. Und gleichzeitig ein bequemer. Denn es ist einfach, den fehlenden Gesprächserfolg dem Gegenüber in die Schuhe zu schieben.
Ein Gedanke dazu aus NLP:
Der Widerstand des Gegenübers ist das Ergebnis DEINER Kommunikation!
Wenn ein Gespräch nicht gelingt, lohnt sich die Frage:
- Was könnte ich anders sagen?
- Welche Haltung nehme ich gerade ein – und was strahle ich aus?
- Welche Worte würden mein Gegenüber eher erreichen?
Denn Sprache wirkt. Und manchmal verändert schon ein einziges Wort den Verlauf eines Gesprächs.
Sprache schafft Wirklichkeit
Mit Worten beschreiben wir nicht nur die Welt – wir gestalten sie. Ob ich frage: „Warum haben Sie das gemacht?“ oder „Was war Ihre Überlegung?“ macht einen Unterschied. Viele glauben, gute Kommunikation bestehe aus den richtigen Techniken. Sie beginnt früher - Bei unserer inneren Haltung.
Worte beginnen im Kopf
Unsere Worte entstehen nicht zufällig. Sie spiegeln unsere Haltung wider. Menschen spüren sehr schnell, ob ich ihnen mit echtem Interesse begegne – oder ob ich innerlich bereits ein Urteil gefällt habe. Es gibt schwieriges Verhalten. Aber selten schwierige Menschen.
Jeder Mensch bringt seine Lebensgeschichte mit zur Arbeit. Und manchmal reagieren Menschen nicht auf das, was gerade gesagt wird – sondern auf das, was es in ihnen auslöst.
Diese Perspektive verändert Gespräche. Ich frage nicht mehr: „Warum verhält sich dieser Mitarbeiter so?“ Sondern: „Welches Bedürfnis könnte gerade unerfüllt sein? Welche Geschichte bringt dieser Mensch mit?“
Menschen sprechen unterschiedliche innere Sprachen
Oft sprechen wir nicht dieselbe „Sprache“.
Das zeigt sich besonders:
- zwischen Generationen
- zwischen Fachbereichen
- zwischen Hierarchieebenen
- und zwischen Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten
Wir verwenden dieselben Worte – und meinen doch oft etwas völlig anderes. Ein Ansatz aus dem NLP hilft, diese Unterschiede besser zu verstehen: die Repräsentationssysteme.
Exkurs: Repräsentationssysteme einfach erklärt
Im NLP geht man davon aus, dass wir Informationen über unsere Sinne aufnehmen und innerlich verarbeiten. Die drei wichtigsten Systeme:
- „Ich sehe das klar vor mir.“
- „Das wirkt unübersichtlich.“
- Diese Menschen brauchen Bilder und schnelle Zusammenhänge.
- „Das klingt stimmig.“
- „Ich höre einen Widerspruch.“
- Hier sind Worte, Tonfall und Struktur entscheidend.
- „Das fühlt sich nicht richtig an.“
- „Ich habe kein gutes Gefühl dabei.“
- Diese Menschen achten stark auf ihr inneres Empfinden.
Warum das im Führungsalltag so wichtig ist
Wir sprechen oft in unserer eigenen „Sprache“ – und wundern uns, wenn wir nicht verstanden werden. Ein visueller Mensch sagt: „Ich sehe da keinen klaren Plan.“ Ein kinästhetischer Mensch denkt: „Ich fühle mich gerade eher verunsichert.“ Gleicher Inhalt – unterschiedliche Wirkung.
Wenn wir beginnen, die Sprache unseres Gegenübers wahrzunehmen und darauf einzugehen, passiert etwas Entscheidendes: Menschen fühlen sich verstanden. Und genau dort entsteht Verbindung.
Und manchmal reichen Worte nicht mehr
Gerade in Teams stoßen Worte manchmal an ihre Grenzen. Die einen können gut argumentieren. Andere finden in großen Runden kaum Gehör. Manche sprechen Deutsch als Muttersprache. Andere nicht.
Deshalb arbeite ich in Teamcoachings bewusst auch mit Musik. Beim gemeinsamen Klatschen, Summen oder Musizieren starten plötzlich alle unter denselben Voraussetzungen.
Musik fragt nicht nach:
- Hierarchie
- Rhetorik
- perfekter Formulierung
Sie schafft Verbindung dort, wo Worte allein manchmal nicht mehr ausreichen.
Versuchen Sie, Ihr Gegenüber wirklich zu sehen – und ihm mit echter Achtung zu begegnen. Denn genau dort beginnt wirksame Kommunikation: in Ihrer inneren Haltung. Wählen Sie Ihre Worte bewusst und holen Sie Menschen dort ab, wo sie gerade stehen.
Doch auch die beste Haltung und das größte Fachwissen stoßen manchmal an Grenzen. Bücher, Vorträge oder Podcasts liefern wertvolle Impulse und eröffnen neue Perspektiven. Vieles lässt sich dadurch lernen und in den eigenen Alltag mitnehmen. Und dennoch gibt es Situationen, in denen Wissen allein nicht ausreicht. Manchmal braucht es jemanden von außen, der beobachtet, unbequeme Fragen stellt und Dinge anspricht, die im Alltag leicht übersehen werden. Jemanden, der konkrete Situationen gemeinsam reflektiert, Gespräche oder Herausforderungen nachstellt, alltagstaugliche Lösungswege entwickelt und den Blick auf das Wesentliche lenkt.
Denn wer mitten im Geschehen steht, kann nicht immer alles sehen. Ein Blick von außen schafft oft genau die Klarheit, die notwendig ist, um neue Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und Veränderung wirksam zu gestalten.
Sie möchten Kommunikation bewusster gestalten und ihre Wirkung im Führungsalltag stärken? Dann holen Sie sich die Expertin Martina Bachmaier für Führungskräftecoaching und musikgestützte Teamentwicklung an Ihre Seite.
Schell und einfach finden Sie hier weitere HRM Experts, die Sie gerne unterstützen.
Verfasserin: Martina Bachmaier